Eine der geheimnisvollsten, aber sicher nicht
unbedeutendsten Gestalten im okkultistischen Vorraum des
Nationalsozialismus war der Freiherr Rudolf von Sebottendorf, ein
Mann, über den wir wenig wissen und dessen Wirken und Sein uns vor
allem aus seinem Buche ”Bevor Hitler kam“ aus dem Jahre 1932 (München)
bekannt ist. Da der Verfasser aber von sich selbst erzählt, sind
seine Berichte sicher mit großer Vorsicht aufzunehmen - obwohl sie
von anderen Seiten in vielem bestätigt worden sind. Restlose
Klarheit wird hier wohl nie zu gewinnen sein, denn es liegt in der
Natur dieser Geheimgesellschaften - die man vielleicht als eine
Art völkischer Freimaurerei bezeichnen könnte -, daß über sie kaum
etwas an die Außenwelt dringt. Und wenn, dann wenig Verläßliches.
Die Mitglieder schweigen, zumal heute, wo sic fürchten müssen, für
ihre einstige politische Haltung angefeindet oder zur Rechenschaft
gezogen zu werden. Wer war nun dieser mysteriöse Baron, dessen
wirklicher Name ebenso unbekannt ist wie sein späteres Schicksal,
wie sein etwaiges Ende oder sein eventueller jetziger Aufenthalt -
falls er noch leben sollte? Er selbst behauptet, Erwin Torre
geheißen zu haben, wurde 1875 in Sachsen geboren und wanderte als
junger Mechaniker oder Monteur aus Deutschland, bereits Jahre vor
dem Ersten Weltkriege, in den Vorderen Orient aus. Dort legte er
sich den Namen eines Freiherrn Rudolf von Sebottendorf zu. Als die
Familie dieses Namens, ein 1934 ausgestorbenes bayrisches
Adelsgeschlecht, gegen ihn wegen unberechtigter Namensführung
prozessierte, wurde Ire Klage zurückgewiesen, da Rudolf“ von einem
im Orient gestrandeten Träger dieses Namens adoptiert worden war.
Im Balkankrieg 19I2/I3 taucht er als Freiherr“ und türkischer
Staatsangehöriger erstmals auf und spielt als Leiter des
türkischen Roten Halbmondes (des mohammedanischen Roten Kreuzes)
eine gewisse Rolle. Nachdem er in der Türkei durch einen jüdischen
Kaufmann namens Termudi ausgebildet und Meister des Rosenkreuzer-Ordens
geworden sein will, einer theosophischen und freimaurerischen
Geheimgesellschaft, erscheint er 1917 mit reichen Geldmitteln aus
unbekannten Quellen (Erbschaften?) ausgerüstet in Deutschland.
Hier hilft er mit der Stiftung seiner Geheimbünde zur Errichtung
der NSDAP und leistet Hitler erhebliche Starthilfe. Später
überwirft Sebottendorf sich mit ihm und verschwindet sowohl von
der politischen wie von der okkultistischen Bildfläche, wo andere
Manner wie etwa Haushofer das Heft in die Hand nehmen. Letztmals
taucht er 1932. als Verfasser des vorgenannten Buches auf, mit dem
er offen gegen seinen ehemaligen Schüler Hitler Stellung bezieht.
Dann flieht er in die Schweiz und ist seitdem verschollen. Der
Abenteurer und Astrologe schreibt in seinem Buche: ”Thule-Leute
waren es, zu denen Hitler zuerst kam, und Thule-Leute waren es,
die sich mit Hitler zuerst verbanden. Die Rüstung des kommenden
Führers bestand auger der Thule-Gesellschaft selbst aus dem in ihr
von dem Bruder Karl Harrer gegründeten ”Deutschen Arbeiter-Verein“
und der von Hans Georg Grassinger geleiteten Deutsch-Sozialistisdien
Partei“, deren Organ der Münchener, später Vblkische Beobachter“
war. Aus diesen drei Quellen schuf Hitler die NSDAP.“ 110) Nun zu
diesen GeheimgeselIschaften selbst, deren Geschichte sehr
verworren ist und von der Wissenschaft bisher fast gar nicht
beachtet, obwohl sie der Schlüssel für viele Geschehnisse sein
dürfte. Als erste bedeutende völkische Geheimloge kann neben den
beiden Geheimgesellschaften von List und Lanz-Liebenfels, die wir
bereits schilderten - wohl die reichsdeutsche, als Germanenorden
1912 von Sebottendorf und von dem Antisemiten, Publizisten und
sächsischen Ingenieur Theodor Fritsch 1852-1933, 1924 kurze Zeit
Reichstagsabgeordneter der Nationalsozialistischen Freiheitspartei,
s. S. 373) gegründete Loge genannt werden. Ihre Zentrale befand
sich in München, wo die Treffen im. Hotel ”Vier Jahreszeiten“
stattfanden, und zählte 1914 bereits 100 Logen in Deutschland;
1919 sollen um die 1000 Mitglieder dem Orden angehört haben. Diese
ursprünglich von Nord- und Mitteldeutschland nach Bayern gekommene
Loge war nach dem Vorbild der Freimaurer organisiert und berief
sich auf ire geistigen Väter Guido von List und Jörg Lanz von
Liebenfels. Nach außen hin war man aber nur durch untergeordnete
Personen vertreten (Hitler z. B. faßte sich daher in den ersten
Jahren seiner politischen Tätigkeit immer nur als einen ”Trommler“
auf!). Das Weltbild des Ordens floß nach Sebottendorf aus fünf
Quellen: Fritschs ”Hammer“-Antisemitismus, Lists und Lanz' Lehre,
Claß' Alldeutschtum und der ”Semigotha“ des Barons Wittenberg. Als
antisemitische Gemeinschaft bestimmte sie: Nur ein bis ins dritte
Glied rassereiner Deutscher kann Mitglied werden. Besonderer Wert
ist auf die Propaganda der Rassenkunde zu legen. Die Prinzipien
der Alldeutschen sind auf die ganze germanische Rasse auszudehnen.
Es muß gegen alles Undeutsche gekämpft werden.“ Nach diesen
Prinzipien ist natürlich nicht verfahren worden, da ja schon unter
den Gründern sich manche Logenbrüder jüdischer Herkunft befanden.
Also dienten dese Leitsätze wohl mehr dazu, der Masse der zumeist
harmlosen, deutschtümelnden und spießbürgerlichen Mitläufer Sand
in die Augen zu streuen. Über den weiteren Verlauf berichtet
Sebottendorf in seinem erwähnten Buche. Er kam 1917 mit Geldern
aus unbekannter Quelle und sicher nicht eigenem Antriebe folgend
nach Deutschland, wo in Mitteldeutschland eine Zusammenkunft; von
Logenbrüdern des Germanen-Ordens und anderer Geheimgesellschaften
stattgefunden haben soll. Diese Männer erkannten damals, daß der
Erste Weltkrieg für Deutschland verloren war und begannen nun be-
reits mit Gesprächen über die Zukunft von Volk und Reich und über
die Maßnahmen, die zur Heraufführung einer ”nationalen
Wiedergeburt“ zu treffen seien. Sie stellten dabei fest, daß das
Erleben des Weltkrieges die in der deutschen Seele und im
Volkskörper steckenden ungeahnten Kräfte zum Teil geweckt hatte
und die völkische Bewegung stärker zu erwachen begann. Um nun auch
in und nach der kommenden Niederlage das Heft nicht aus der Hand
zu verlieren bzw. den Einfluß der Geheimorden noch viel besser zu
festigen und zu vertiefen, um die völkischen Kräfte in Kanäle zu
leiten, in denen sie sich der Kontrolle dieser Leute nicht
entziehen könnten, wurden dese ”Armanen“, wie Karl Strünckmann sie
nannte (s. S. 227), aktiv. Sie teilten nach einem entsprechenden
Beschluß der Versammlung — immer laut Sebottendorf — das Deutsche
Reich unter sich in ”Provinzen“ auf, wobei unser Gewährsmann die
süddeutsche, bayrische Provinz erhielt; wir werden sein Wirken
dort gleich weiterverfolgen. In Nord- und Mitteldeutschland
wirkten andere Geheimorden wie der ”Germanenorden“, der ”Skaldenorden“,
der ”WäIsungenorden“, der ”Bund der Guoten“ und der ”Geusenbund“.
Die ”Wälsungen“ arbeiteten in Westdeutschland. Aus ihren Reihen
gingen die Mitbeteiligten am Morde des großen deutschen Politikers
Rathenau (s. S. 132) hervor. Die ”Skalden“ wiederum, eine Art
jesuitischer Orden, wirkten in Ostdeutschland und setzten sich
rücksichtslos für die NSDAP ein. Sie beschlossen bereits um
1931/32 den Mord an dem SA-Stabschef Röhm und seinen Freunden, die
bei den Oberen in Ungnade gefallen waren. Über diese Mordpläne hat
zwei Jahre vor der Ausführung die gut unterrichtete Zeitung des
Tannenberg-Bundes von General Ludendorff berichtet.111) Die Gruppe
Hannover des Skaldenordens wurde von dem Mitglied Nummer 1043 der
Loge ”Zur grünen Aue“ geführt, von dem Schwiegersohn des
Reichspräsidenten und Generalfeldmarschalls von Hindenburg, einem
Mitglied des Herrenklubs und des evangelischen Johanniter-Ordens.
Ein im Gegensatz zurn Thule-Orden (s.u.) mehr protestantisch
ausgerichteter Ableger des Skaldenbundes war der ”Deutsche Orden“;
es dürfte bekannt sein, daß Hitler unter diesem Namen 1942 die
höchste Auszeichnung des Großdeutschen Reiches stiftete, die
insgesamt nur zehnmal verliehen wurde und in ihrer Mitte das
Grundzeichen der völkischen Bewegung, das Hakenkreuz trug. Vor
1933 gehörten zu den Mitgliedern des Ordens: (u.a.)
1. Adolf Hitler (ab 1926), Führer und Reichskanzler und Oberster
SS-Fürer;
2. Dr. Wilhelm Frick, Reichsminister, NS-Reichsleiter,
Reichsprotektor;
3. Dipl.-Landw. Herbert Backe, Reichsminister und SS-Obergruppenführer;
4. Martin Bormann, NS-Reichsleiter und SS-Obergruppenführer;
5. Walter Buch, NS-Reichsleiter und SS-Obergruppenführer;
6. Dr. Alfred Hugenberg, Ordensmeister und Reichsminister Geheim.
Rat;
7. Julius Streicher, Gauleiter und SA-Obergruppenführer;
8. Dr. Paul Bang, Deutschnationaler, Staatssekretär und MdR,
9. Professor Dr. Walter Groß, NS-Reichshauptamtsleiter (Rassepolitik);
10. Professor Dr. Hans F.K. Günther, NS-Rasseforscher;
11. Justizrat Heinrich Claß, MdR., der Führer der Alldeutschen.
Bei der oben erwähnten Geheimbesprechung im Jahre 1917 soll dem
Freiherrn von Sebottendorf, wie er selbst behauptet die süddeutsch-bayrische
Provinz zugeteilt worden sein. Er zog nach München und gründete
den ”Thule-Orden“, eine völkische Geheimloge. Hierfür warb er in
den lokalen Zeitungen, so daß sich im Jahrgang 1919 viele seiner
Anzeigen nachweisen lassen, durch die vor allem Freikorps-Männer
aufgenommen wurden Innerhalb der Loge bestand als ”esoterischer
Kern“ ein magischer Zirkel, in dem Geheimwissenschaften — an der
Spitze Astrologie — getrieben wurden. Um aber auch eine
entsprechende Breitenwirkung und mit ihr Einfluß auf die Politik
zu erreichen verzichtete man nach außen hin auf die Beschäftigung
mit Magie und Okkultismus und bildete einen ”exoterischen Kreis“,
die ”Thule-Gesellschaft“. In ihr pflegte man germanisches Weistum
und, nur leicht okkultistisch gefärbt, die germanische
Vorgeschichte sowie den Antisemitismus. Zahlreiche ehrliche und
harmlose völkische Männer und Frauen gehörten dieser Gesellschaft
an. Als unter der bolschewistischen Räteregierung von Eisner-Kosmanowski
in München im April 1919 Geiseln erschossen wurden, befanden sich
auch etwa 25 Thuleleute unter ihnen; insgesamt wurden von den
Roten ihrer 100 ermordet.112) So sah sich der Freiherr von
Sebottendorf dann genötigt, als Schutz nach einer bewaffneten
Macht Umschau zu halten und gewann eine Vereinigung ehemaliger
Freikorps dafür, den sogenannten ”Kampfbund“. Als Presseorgan
seiner Thule-Organisationen fungierte der ”Völkische Beobachter“,
der vorher Grassingers ”Deutsch-Sozialistischer Partei“ gehört
hatte. Da in München auch die Zentrale des Germanenordens war und
beide Geheimlogen die gleichen Ziele verfolgten — und auch die
Mitglieder z. T. dieselben waren, schlossen sich die ”Germanen“
mit den ”Thule-Leuten“ in der ThulegeselIschaft zusammen — wobei
der Professor Haushofer und der berüchtigte Julius Streicher eine
Rolle spielten. Dieser letztere, eine geistig und charakterlich
durchaus minderwertige Erscheinung von dunkler Herkunft, war einer
der schmutzigsten Antisemiten in Deutschland, dessen Judenhaß
klare pornographische und pathologische Züge trug. Der Katholik
und Hauptlehrer Streicher kam vom Freisinn zur Sozialdemokratie (USPD),
urn sich dann durch antisemitische Schriften hervorzutun und bei
Grassingers Deutschen Sozialisten zu landen, deren Parteiorgan
”Völkischer Beobachter“ er mitbegründete. Von den meisten
Mitgliedern der NSDAP wurde ”dieset originelle“ Kopf als Makel
empfunden; Dietrich Eckart sagte von ihm ”Dös is ja a Narr!“ und
der Ritter von Epp verhinderte, daß der wildgewordene Lehrer nach
1933 ein staatliches Amt erhielt. Trotzdem schwang sich Streicher
als Gauleiter in Nürnberg (1925/40) zum ”Zar von Franken“ auf —
ehe ihn die Partei als untragbar entfernte; der Parteiaussdiluß
des Obersten NS-Gerichts wurde von Hitler nicht bestätigt. Als
Besitzer einer der größten pornographischen Buch- und
Bildersammlungen der Welt gab er ab 1923 das scheußliche
Schmutzblatt ”Der Stürmer“ heraus, das er zusammen mit dem Juden
Jonas Wolk alias Fritz Brandt zu einem antisemitischen Schandfleck
entwickelte. Streicher erhielt seine Aburteilung in Nürnberg, wo
der persönlich durchaus tapfere kgl. bayrische Leutnant a. D. und
SA-Obergruppenführer nach schweren Mißhandlungen 1946 gehenkt
wurde. Er starb als einziger mit dem Rufe ”Heil Hitler!“ ”Bruder“
Streicher war es auch, der damals in München die Thule-Leute zu
Hitler führte, zusammen mit den ”Germanen“, bei denen er zuerst
gewesen war. Der Baron Sebottendorf hatte indessen, um die
politische Aktivität seiner Thule-Gruppen zu erweitern, nach einer
vaterländisch-völkischen Partei gesucht und stieß dabei auf die
kleine Deutsche Arbeiter-Partei von Karl Harrer. Dieser
Logenbruder von Thule, Journalist der ”München-Augsburger
Abendzeitung“, bildete 1918 zuerst, und zwar innerhalb der Thule-Gesellschaft
einen ”Politischen Arbeiterzirkel“ zur Betreuung völkisch
eingestellter Arbeiter und schloß ihn am 5. 1. 1919 mit dem
”Freien Arbeiterausschuß für einen guten Frieden“ des Schlossers
Anton Drexler zur ”Deutschen Arbeiter-Partei“ zusammen. Hieraus
entstand die NSDAP — wobei starke Einflüsse von seiten der
österreichisch-sudetendeutsdien DNSAP (s. S. 140) mit zu
berücksichtigen sind. In die DAP wiederurn hatte der
Propagandaoffizier der Bayrischen Reichswehr Hauptmann Ernst Röhm,
der im Auftrage seiner Generale völkisch-nationale politische
Kräfte als Gegengewicht gegen die roten Politiker in München
unterstützte, seinen ”Bildungsoffizier“, den ehemaligen
”unbekannten Gefreiten des Weltkrieges“ Adolf Hitler, als Mitglied
Nummer sieben eingeschleust. Dessen Rednergabe und
Organisationstalent, die reichlichen Gelder aus Sebottendorfs
unbekannten Quellen und das Presseorgan Völkischer Beobaditer“ von
Thule ließen die Partei langsam zur NSDAP heranwachsenals
politischer Arm des Hintermannes aus dem Rosenkreuzer-Orden! Als
die NSDAP sich dann aber stark genug fühlte, auf eigenen Füßen zu
stehen, als Hitler sein ihm innewohnendes politisches Talent
entdeckte, wurden die alten Förderer und Gönner von Thule
hinausgedrängt — obwohl sie bis 1945 in den führenden Positionen
immer noch blieben —, wenn auch vielleicht nicht mehr direkt vom
Orden kommandiert, der etwa um 1934 offiziell aufgelöst wurde.
Genaueres ist darüber nicht be kannt. 1921 kaufte Hitler mit
Geldern, die ihm u. a. von jüdischer Seite her geliehen waren,
seinem Ordensmeister Sebottendorf den ”Völkischen Beobachter“ für
100 000 Mark in bar ab, wobei sein Freund Moses Pinkeles alias
Trebitsch-Lincoln (s. u.) 30 000 Mark beisteuerte und der Rest
wahrscheinlich ganz vom Münchener Kunstverlag Hanfstaengl getragen
wurde (Hauptperson war hier der Verleger und spätere 1. Auslands-Pressechef
der NSDAP Dr. Ernst Hanfstaengl, dessen Mutter eine Amerikanerin
und geborene Sedgwick-Heine war). Daß der Thule-Hochmeister seine
Zeitung an den in der Politik damals noch kaum bekannten Adolf
Hitler abtrat, mag auf Grund eines Ordensbefehls geschehen sein,
denn es geschah nicht zum unmittelbaren Nutzen von Thule. Seitdem
waren Meister und Schüler wohl auch persönlich verfeindet. Über
Hitlers Mitgliedschaft im Thuleorden bringt der ehemalige Danziger
Senatspräsident Dr. Hermann Rauschning, der 1932 zur engsten
Umgebung Hitlers gehörte, dessen Ordensbindungen jedoch nicht
durchschaute, in seinem Buche ”Gespräche mit Hitler“ (1938 im
Europa-Verlag, Zürich) einige Stellen, aus denen klar hervorgeht,
daß der Führer der NSDAP sich die okkulte Weltanschauung des
Ordens zu eigen gemacht hatte und sich seiner Mission als
”Zerstörer des Alten“ durchaus bewußt war. Rauschning spricht hier
ebenso von einem ”Mystizismus“ Hitlers, wie das Rosenberg getan
hat; der Danziger läßt auch den SS-Reichsführer Heinrich Himmler
als Eingeweihten von hohen Graden erkennen. Die gleichen
Beobachtungen werden von dem Armanen und Eingeweihten Dr. Karl
Strünckmann (s. o.) in seiner Schrift ”Adolf Hitler und die
Kommenden“ bestätigt, ebenso die Mitteilungen des Hochmeisters des
Rosenkreuzer-Ordens in Ostasien und Großmeisters der Freimaurer-Loge
in Shanghai, des Ingenieurs Kaffka alias Bruder Renatus: er
versichert ausdrücklich, daß Hitler ein Eingeweihter des Thule-Ordens
war. Er sei jedoch bestimmt gewesen, ”die schmutzige Arbeit“ in
der Politik für den Orden zu verrichten — während sein ja auch
heute noch lebender präsumptiver Nachfolger und Stellvertreter
Rudolf Heß noch höhere Grade in der Loge bekleidet habe. Er wurde
in internen Parteikreisen ”der Yogi aus Ägypten“ genannt und
interessanterweise 1912 erster Preisträger eines in Spanien von
einem Auslandsdeutschen veranstalteten Preisausschreibens mit der
Frage ”Wie wird der Mann beschaffen sein, der Deutschland wieder
zur Höhe führt?“ Heß forderte damals ”einen Diktator, der in
heiliger Vaterlandsliebe über allem Ehrgelz seines Landes Wohl und
zukünftige Größe als einziges Ziel im Auge hält“. Am Schluß hieß
es: ... Noch wissen wir nicht, wann er rettend eingreift, der ,Mann'.
Aber daß er kommt, fühlen Millionen...“ 113)
Sogar der italienische faschistische Diktator Benito Mussolini sei
Mitglied von Thule gewesen. Es erscheint geboten, these
Mitteilungen mit großer Vorsicht und dem nötigen Grad von Skepsis
aufzunehmen, der solchen okkulten Dingen gegenüber einzig
angemessen ist. Daß sie einen Grad von Wahrscheinlichkelt für sich
haben, daß sich hier Wahrheit und Dichtung miteinander verweben,
soll nicht abgestritten sein. Sicher belegt ist dagegen die
Mitgliederliste des Thule-Ordens, aus der wir anführen:
1. Ordens-Hochmeister Freiherr Rudolf von Sebottendorf.
2. Ordens-Meister Guido von List (s.o.).
3. Ordens-Meister Jörg Lanz von Liebenfels vom ONT (s.o.).
4. Adolf Hitler, Führer und Reichskanzler, Oberster SS-Führer.
5. Rudolf Heß, Stellvertreter des Führers SS-Obergruppenführer.
6. Hermann Göring, Reichsmarschall und SS-Obergruppenführer.
7. Dipl.-Landw. Heinrich Himmler, Reichsführer SS und
Reichsminister.
8. Dipl.-Ing. Alred [sic] Rosenberg, Reichsminister und
NS-Reichsleiter.
9. Dr. Dr. h. c. Hans Frank, NS-Reichsleiter, Generalgouverneur in
Polen.
10. Julius Streicher, Gauleiter von Franken und
SA-Obergruppenführer. br> 11. Professor Dr. Karl Haushofer,
Generalmajor a. D. und Präsident.
12. Professor Dr. Gottfried Feder, Staatssekretär a. D.
13. Dietrich Eckart, Journalist, Schriftsteller und Hitlers
Intimus.
14. Professor Dr. Bernhard Stempfle, Hitlers Beichtvater und
Intimus.
15. Professor Dr. Theo Morell, Hitlers Leibarzt.
16 Otto Engelbrecht, NS-Reichsamtsleiter und
Reichstagsabgeordneter. |